Nebelwand, Eisregen, Schneeglätte – richtig fahren in gefährlichen Situationen

Silvesternacht, 1:00 Uhr nachts – Auffahrunfall auf der A33 bei Paderborn mit 24 ineinandergefahrenen Autos, Dutzenden Verletzten und einem Toten. Die Ursache: plötzlich auftretender Nebel. Ein Horror-Szenario, in das jeder hätte hineingeraten können. Wie hätten Sie sich verhalten? Wie verhalten Sie sich als Autofahrer bei Nebel, Schneeglätte oder Sturmböen? Es ist wieder die Jahreszeit der gefährlichen Verkehrssituationen, in denen man als Autofahrer richtig reagieren muss.

Wir haben ein paar Tipps für typische gefährliche Fahrsituationen zusammengetragen, die Sie beherzigen sollten. Gehen Sie Ihre Reaktion in bestimmten Ausnahmesituationen immer wieder durch, damit sich das gewünschte Verhalten geistig “einschleift”. Damit erhöhen Sie die Wahrscheinlichkeit, dass Sie im Ernstfall genauso reagieren und die Situation beherrschen.

Nebel – die Geschwindigkeit sollte nicht größer sein als die Sichtweite

  • In der kalten Jahreszeit auch tagsüber mit Licht fahren
  • im Nebel kein Fernlicht, das blendet nur
  • Abstand halten – mindestens einen Leitplankenabstand (50m)
  • Geschwindigkeit reduzieren – Faustregel: Die Geschwindigkeit sollte nicht größer als die Sichtweite sein
  • Bei Sichtweiten unter 50m Nebelschlussleuchte an und max. 50km/h
  • hinter dem Nebel nicht vergessen, die Nebelschlussleuchte abzuschalten, sonst kostet es 10-25€
  • Ab und zu Scheibenwischer betätigen (Feuchtigkeit schlägt sich auf Scheibe nieder)
  • Sich nicht auf automatische Lichschalter verlassen – Licht an, ggf. Nebelscheinwerfer

Eisglätte – keine plötzlichen Fahrmanöver

  • Anfahren im 2. Gang
  • Hohe Gänge mit niedrigen Drehzahlen nutzen
  • Vorrausschauend fahren, besonders an Gefahrenstellen (Kreuzungen, Ampeln)
  • Gefühlvoll fahren – keine abrupte Fahrmanöver
  • Vorsicht bei Spurwechseln – am Besten vermeiden

Sturm – Geschwindigkeit reduzieren und kontrolliert gegenlenken

  • Besonderes Augenmerk auf exponierte Stellen legen (Brücken, Kuppen, Waldschneisen)
  • Auf Gefahrenschilder und Windsäcke achten
  • Waldgebiete meiden (Baumsturzgefahr)
  • Angepasste Geschwindigkeit – mehr Zeit zum Reagieren falls Auto von Böe erfasst wird
  • Achtung beim Überholen von LKWs und Bussen – Böengefahr
  • Vorsicht bei Dachgepäckträgern und Dachboxen (größere Angriffsfläche für den Wind)
  • mit Anhänger deutlich langsamer fahren – Umsturzgefahr
  • Auto möglichst nicht unter Bäumen oder Dächern parken

Schneewehen – langsam fahren auf Anhöhen und in Mulden

  • Schneewehen sind von weitem schwer zu erkennen
  • Entstehen auf weiten Flächen (Feldränder etc.) und bei Pulverschnee – Überlandfahrten
  • Fahrzeug kann schleudern oder bei großen Wehen steckenbleiben
  • Fuß vom Gas
  • Bremsbereit bleiben
  • Versuchen die Verwehung zu umfahren
  • Wenn in Schneewehe reingefahren: keine ruckartigen Lenkbewegungen
  • Schneeketten können helfen – sonst Schaufel und Lappen im Auto (Lappen unters Rad legen beim Anfahren)

Wild – in Waldgebieten viel Abstand halten

  • Jährlich über 3000 Wildunfälle
  • Abstand zum Vordermann halten und bremsbereit sein
  • Tempo reduzieren – Fahrbahnrand im Blick haben
  • Besondere Vorsicht bei Dämmerung
  • Richtig Reagieren: 1. So stark bremsen wie möglich ohne dass der Wagen ausbricht 2. Nicht ausweichen 3. Abblenden und hupen 4. Aufmerksam und langsam weiterfahren (Rudeltiere sind selten allein unterwegs)
  • Bei Aufprall: Lenkrad festhalten
  • Anschließend Warnweste anziehen – Unfallstelle sichern – Polizei informieren, die informiert dann den Revierleiter (Unfallbescheinigung für Versicherung)

Eisregen – ABS funktioniert nur bei richtiger Vollbremsung

  • Geschwindigkeit reduzieren
  • Beim Bremsen ohne ABS/ESP auskuppeln und dosiert bremsen
  • Mit ABS – Bremse muss maximal gedrückt werden – das „rattern“ am Pedal heißt es funktioniert, auch hier Kupplung treten
  • Frostschutz im Scheiben-Wischwasser – Eisregen gefriert auf kalten Scheiben sofort
  • Abstand zum Vordermann verdoppeln, Tempo runter

Regen – möglichst nicht bremsen oder lenken

  • Gefahr von Aquaplaning
  • ABS und ESP helfen nur bedingt
  • Geschwindigkeit reduzieren – nicht lenken oder bremsen (auskuppeln bis die Reifen wieder greifen)
  • Wie erkennt man Aquaplaning? Wasserschwall an den Rädern vorrausfahrender Fahrzeuge, schwankende Drehzahl
    Spurrillen meiden
  • Vorsorge: Profiltiefe und Reifendruck regelmäßig prüfen
  • Bei schlechter Sicht – Nebelscheinwerfer an

Unser Tipp, damit Sie Gefahrensituationen einschätzen und richtig reagieren können: Besuchen Sie ein Fahrsicherheits-Training, das zum Beispiel vom ADAC angeboten wird. Dort werden Gefahrensituationen geübt und Sie lernen, das Verhalten Ihres Wagens besser einzuschätzen.

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